Tomba ist nicht einfach eine gewöhnliche Katze. Er ist eine Legende, ein kleines Fellwesen mit großem Herzen, das in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren die Herzen vieler Menschen in der Schweiz eroberte – und bis heute als „Bergsteigerkater“ unvergessen bleibt.
Geburt und Namensgebung
Der kleine Wildfang wurde im August 1988 im auf rund 2.000 Metern gelegenen Berghotel Schwarenbach am Gemmipass im Wallis geboren. Die Inhaber gaben ihm den Spitznamen Tomba – angelehnt an den italienischen Skiweltmeister Alberto Tomba. Schon als Jungtier zeigte der Kater großen Tatendrang: Kaum hatte er laufen gelernt, streifte er munter durch die hochalpinen Geröllfelder rund um das Berghaus, das bereits 1742 erbaut wurde. Seine frühe Geburtsstätte und sein selbstgewählter Lebensraum prägten sein „spirituelles Zuhause“ in den Berner Alpen.
Ein Leben zwischen Bergen und Menschen
Während viele Katzen ihr Leben lieber im Haus verbringen, zog es Tomba hinaus in die Berge. Statt sich im warmen Körbchen vor dem Kamin zu räkeln, suchte er das Abenteuer am Berg. Seine Besitzer, begeisterte Wanderer und Kletterer, nahmen ihn oft mit auf Touren, die für die meisten Katzen völlig unvorstellbar wären.
Bergsteigerkarriere
Bereits mit nur zehn Monaten begleitete der Kater Bergsteiger auf den 3.448 Meter hohen Rinderhorn-Gipfel und kurze Zeit später auf das 3.698 Meter hohe Balmhorn – zwei imposante Gipfel in den Berner Alpen. Insgesamt unternahm er diese Touren etwa 15 bis 20 Mal. Tomba bestieg die Berge stets eigenständig aus eigener Kraft: Er weigerte sich, getragen zu werden, und nutzte seine scharfen Krallen praktisch als „Steigeisen“. So wurde er schnell zum regelmäßigen Begleiter der Bergtouren in der Region.
Dabei suchte sich Tomba seine Begleiter ganz bewusst aus: Am Abend schnüffelte er neugierig an den Rucksäcken neuer Hütten-Gäste und entschied dann, welchem Team er sich anschloss. Am Morgen wartete der aufgeweckte Kater geduldig vor der Tür, während er andere Gruppen vorbeiziehen ließ, bis er mit der von ihm favorisierten Seilschaft loszog. Tragen ließ er sich nie – nur für kurze Rastpausen nahm er maximal auf einem Rucksack Platz.
Als Belohnung wartete am Gipfel oft eine Wurst oder ein Stück Käse auf ihn, bevor er seine Weggefährten wieder hinabbegleitete.
Berühmtheit und Legenden
Bald sprach man weit über die Alpenwelt hinaus über den ungewöhnlichen Gipfelstürmer. Zeitungen aus New York, Südafrika und Japan berichteten von Kater Tomba, und selbst das Schweizer Fernsehen widmete ihm eine Dokumentation. In den 1990er Jahren wurde sogar eine Postkarte mit seinem Bild gedruckt. Dank dieser Berichterstattung wurde Tomba weltweit bekannt und zur lokalen Berühmtheit.
Eine besonders dramatische Anekdote trug zusätzlich zu seiner Legendenbildung bei: Ein junges Bergsteiger-Paar erzählte, dass Tomba auf einer Tour unvermittelt stehen blieb und Schutz hinter einem Felsen suchte. Nur Sekunden später riss an genau dieser Stelle eine Lawine den Pfad hinunter. In einem anderen Fall soll er durch sein beharrliches Zögern eine Gruppe vor einem gefährlichen Schneefeld gewarnt haben. Solche Geschichten verstärkten den Eindruck, Tomba agiere instinktiv als lebender Lawinenwarner.
Tod und Nachruhm
Im Frühjahr 1993 endete die abenteuerliche Laufbahn des kleinen Bergsteigers jäh: Mit nur vier Jahren erlag Tomba einer Katzenleukose (Leukämie). Sein früher Tod löste Trauer bei den Wirtsleuten und Gästen aus, doch sein Mythos blieb bestehen.
Später würdigten Fachzeitschriften und Kolumnen das Andenken des ungewöhnlichen Katers – so erschien 1995 im NZZ-Magazin Folio ein Beitrag über Tomba, und noch 2022 erwähnte die Schweizer Kolumnistin Caroline Fink ihn als Beispiel für einen legendären Gipfelkater. Damit lebt die Erinnerung an Kater Tomba als „Gipfelstürmer“ weiter, längst verankert in der regionalen Alpingeschichte.
Ein Symbol für Freiheit und Mut
Tombas Geschichte steht für mehr als nur eine Katze, die gerne klettert. Sie ist ein Symbol für den Mut, Neues zu wagen, die Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen, und die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier, die auf Vertrauen und Respekt basiert.
Warum wir Tomba heute noch bewundern
Auch Jahrzehnte später inspiriert Tomba Tierliebhaber und Bergfreunde gleichermaßen. Seine Geschichte zeigt, dass Tiere unglaubliche Fähigkeiten besitzen und uns oft daran erinnern, wie wichtig es ist, die Natur zu schätzen und zu schützen.
Tomba in der Kunst
Als Künstlerin habe ich mich von Tombas einzigartiger Geschichte berühren lassen. Meine detailreiche Bleistiftzeichnung ist eine Hommage an seinen Mut, seine Abenteuerlust und die besondere Freundschaft, die ihn zu etwas ganz Besonderem macht.